2024: Ein energiepolitischer Ausblick

Liebe ENERGIETAGE-Community,

der energie- und klimapolitische Ausblick auf 2024 wird durch mannigfaltige Problemlagen gekennzeichnet, über die nicht zu jammern ist, sondern für die es LÖSUNGEN zu entwickeln gilt.

Die ENERGIETAGE als Brainpool der Energiewende vereinigen bekanntermaßen die schlausten Köpfe in Deutschland. Hier fragen wir führende Unternehmensberater nach ihren Einschätzungen zu einigen Fragen, die es für 2024 zu lösen gilt.

Alles Weitere diskutieren wir – digital und in Präsenz – auf den ENERGIETAGEN 2024.

Kommen Sie gut an im spannenden 2024!

Ihr

Jürgen Pöschk
Initiator und Hauptveranstalter ENERGIETAGE

Die Antworten im Detail

"Welche drei Themen der Energiewende sollten von der Bundesregierung prioritär angegangen werden?"

Hanjo Arms – Partner & Managing Director

Weitere Beschleunigung EE-Ausbau durch Bürokratieabbau/Vereinfachung Genehmigungsverfahren. Wasserstoffinfrastruktur für eine wettbewerbsfähige Großindustrie weiter ausbauen. Kommunikative Öffnung der Energiediskussion für heute ideologisch schwierige Themen, als Vorbereitung für Entscheidungen in 2026-2027: CCS, SMR-Nuklear, Schiefergas

Dr. Alexander Budzinski – Partner Advisory, Energy & Natural Resources

Es gilt, Energieangebot und -nachfrage auszubalancieren. Neben der Realisierung möglicher Energieeinsparungen sind hierfür insbesondere zielgerichtete Investitionen in erneuerbare Energieerzeugung erforderlich. Zudem ist das Thema der Energiespeicherung hochrelevant, unter optimalem Einbezug der Möglichkeiten von  Wasserstoff. Nicht zuletzt darf der Ausbau intelligenter Netze nicht ins Stocken geraten.

Henry Otto – Leiter Energy Consulting

Wärmeversorgung: Verlässlicher Rechtsrahmens, der wirtschaftliche Geschäftsmodelle für Wärmeversorger und Kunden ermöglicht. Wasserstoff: Sicherung der Wasserstoffproduktion und des -imports sowie ein Rechtsrahmen, der für alle Netzbetreiber aber euch Erzeuger planbare Geschäftsmodelle ermöglicht. Gasnetze: Schaffung eines Rechtsrahmens, der die wirtschaftliche Transformation der Gasnetze unter Beachtung der Bezahlbarkeit für die Kunden sicherstellt.

Dr. Thomas Schlaak – Partner & Head of Power, Utilities & Renewables

  1. Die Politik muss einen effizienten regulatorischen Rahmen für Investitionen schaffen, insb. in den Bereichen Verkehr und Gebäude/Wärme, wo am meisten Aufholbedarf ist. Dieser muss marktgetriebene und effiziente Klimamaßnahmen ermöglichen, sowie international harmonisiert sein (z.B. CO2-Bepreisung/CBAM, Handel mit grünen Produkten und Molekülen).
  2. Die Energieunternehmen müssen digitaler und nachhaltiger werden, um grüne Energie effizient, dezentral und End-to-End zu liefern.
  3. Die energieintensiven Industrien müssen langfristig planen und die Wettbewerbsvorteile einer zunehmend klimaneutralen Wirtschaft nutzen, aber auch eng mit der Politik zusammenarbeiten, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Mirko Schlossarczyk – Geschäftsführer

  • Festlegung, Verabschiedung und Umsetzung Kraftwerksstrategie
  • Netzausbau
  • Anreizmechanismen für Stromspeicher
  • Schaffung verlässlicher langfristiger gesetzlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen für Investitionen in den Strom- und Wärmemarkt

"Energiewende im Deutschlandtempo: Welche Hemmnisse müssen zuvorderst beseitigt werden?"

Hanjo Arms – Partner & Managing Director

Bürokratieabbau/Vereinfachung Genehmigungsverfahren für EE, für Gebäudesanierung, für Transport.

Dr. Alexander Budzinski – Partner Advisory, Energy & Natural Resources

Investitionsvorhaben erfordern ein gewisses Maß an Sicherheit. Genehmigungsverfahren müssen daher besser planbar und auch zeitlich überschaubar sein.  Aber auch eine effektive Zusammenarbeit zwischen Finanzierern und Projektierern ist wichtig, um bei der Einschätzung der erwarteten ökonomischen Risiken zueinander zu finden. Hierbei helfen wir im Übrigen als unabhängige Experten.

Henry Otto – Leiter Energy Consulting

Als Hemmnis werden immer die langwierigen Genehmigungsverfahren genannt, zu deren Beschleunigung wurden aber unserer Einschätzung nach schon viele Initiativen auf den Weg gebracht. Wichtig ist, dass der Rechtsrahmen nachhaltige Geschäftsmodelle sichert, so dass die Unternehmen bereit sind, in langfristige Projekte, wie den Ausbau der Wärmeversorgung zu investieren.

Dr. Thomas Schlaak – Partner & Head of Power, Utilities & Renewables

Ich verstehe die Frage wesentlich als politische Hemmnisse:

  1. Um das notwendige (Rekord-)Investitionsvolumen von über 600 Mrd. bis 2030 zu schaffen, müssen starke Anreize für privates Kapital gesetzt werden, da der Staat alleine dies nicht finanzieren kann.
  2. Flächen für Wind und PV müssen schnell und effizient nutzbar gemacht werden (inkl. Speicherung und Netzeinspeisung).
  3. Für Gebäude und Wärme müssen auch Fernwärmelösungen unterstützt und beschleunigt werden, ohne dabei die Kommunen zu überfordern.

Mirko Schlossarczyk – Geschäftsführer

  • Unsichere regulatorische/gesetzliche Rahmenbedingungen bei Investitionsvorhaben jedweder Art
  • Beschleunigung von Genehmigungsverfahren
  • Abbau von Auflagen, Einschränkungen, Vetorechten
  • Reform der Netzentgelte
  • Förderung von Technologieoffenheit
  • Minimierung staatlicher Eingriffe in Preisfindungsmechanismen (Stichwort Knappheitspreise am Energy-only-Markt)

"Die Finanzierung der Energiewende steht nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts massiv unter Druck. Wenn Sie in einem Themenfeld eine Empfehlung für noch nicht ausreichend genutzte Instrumente geben sollten: Welche wäre dies?"

Hanjo Arms – Partner & Managing Director

Stärkere Nutzung von privatem Kapital (Private Equity, crowd, etc.), z.B. in einem Staatsfonds für Energiewende, der dann Kfw-Mittel und weitere vorhandene Instrumente stärken kann.

Dr. Alexander Budzinski – Partner Advisory, Energy & Natural Resources

Nicht einfach umzusetzen, aber besonders nachhaltig, sind möglichst marktnahe Instrumente. Öffentlich-private Partnerschaften können helfen, Finanzierungslasten zu teilen und zugleich eine enge Zusammenarbeit sicherstellen. Auch das Thema „Grüne Anleihen“ halte ich für eine interessante Möglichkeit.

Henry Otto – Leiter Energy Consulting

Zur Absicherung der Finanzierung sind Garantien und Bürgschaften geeignete Instrumente, um die Kreditfähigkeit von EVUs zu erhöhen und die Fremdkapitalvergabe durch Banken zu erleichtern. Es ist zu prüfen, ob öffentliche Pensionskassen ebenfalls als Eigenkapitalgeber zur Verfügung stehen können.

Dr. Thomas Schlaak – Partner & Head of Power, Utilities & Renewables

  1. Politik: eine verringerte Eigenkapitalunterlegung für alle Infrastrukturinvestitionen der Energiewende nach Art. 501a EU-CRR.
  2. Energieunternehmen: Stärken der Eigenkapitalposition durch Erhöhung (z.B. Genussrechte, stilles oder nachrangiges Kapital) und Diversifizierung (z.B. öffentlich-private Mischfinanzierungen, Förderbanken).

Mirko Schlossarczyk – Geschäftsführer

  • Stärkere Anreizung privater Investitionen
  • Abkehr von Re-Kommunalisierung bzw. kommunalen/staatlichen Beteiligungen an nicht-kritischer Energieinfrastruktur, da dadurch das Finanzierungsproblem durch öffentliche Gelder eher noch verschärft wird

"PV fast nur noch aus China: Brauchen wir eine gestärkte Europäische bzw. Deutsche Solarindustrie? Wenn ja, wie kommen wir dorthin?"

Hanjo Arms – Partner & Managing Director

Ja. Das funktioniert nur europäisch. Frankreich ist auch ein großer Verfechter einer eignen Solarindustrie. Wahrscheinlich ist es einfacher, wenn sich Deutschland und Frankreich mit 2-3 anderen Ländern zu einer Solarinitiative zusammenschließt (ähnlich Airbus), um eine Solarindustrie aufzubauen, statt eine EU-Initiative abzuwarten.

Dr. Alexander Budzinski – Partner Advisory, Energy & Natural Resources

Die günstigen Importe machen es schwer, aber wir müssen auch geopolitische Themen mit in den Blick nehmen. In den USA ist mit dem Inflation Reduction Act ein Anschub gelungen. Die zunehmende Relevanz von Nachhaltigkeitskriterien hat Einfluss auf die Preissensitivität und wird beschleunigend wirken. Über Technologieführerschaft und funktionierende „lokale“ Ökosysteme müssen dann Marktanteile (zurück-)erobert werden.

Dr. Thomas Schlaak – Partner & Head of Power, Utilities & Renewables

  1. Ja, in den nachgelagerten Bereichen der Wertschöpfungskette, wie Installation, Metering, Überwachung und Steuerung, ggf. Wartung und Service. Diese Bereiche sind weniger im globalen Wettbewerb, sondern hier kann aufgrund der starken Marktentwicklung sogar eine globale Führungsposition angezielt werden. Die Hardware jedoch ist ein globales Commodity und sollte nicht in Deutschland oder Europa forciert werden, wobei bilaterale Abhängigkeiten zu berücksichtigen sind (z.B. nach China für Solarmodule).
  2. Signifikante Förderungen sind hier weniger wichtig, als in anderen Bereichen, allerdings ein klarer politischer Plan, den innovative Unternehmen dann bereitstellen können.

"Bekanntlich behindert der Fachkräftemangel auch die Energiewende: Haben Sie eine strategische Empfehlung?"

Hanjo Arms – Partner & Managing Director

Ja. wir brauchen eine neue Asyl- und Einwanderungspolitik, die qualifizierte Fachkräfte bevorzugt, mit festen Quoten pro Qualifikation, die alle 2-3 Jahre überprüft werden.

Dr. Alexander Budzinski – Partner Advisory, Energy & Natural Resources

Hier geht es nur ganzheitlich und kreativ. Das Interesse an den Themen ist groß. Das müssen wir nutzen und für Aufmerksamkeit und positive Wahrnehmung sorgen. Ganz wichtig sind Ausbildung und Qualifizierung auf hohem Niveau - gepaart mit attraktiven Bedingungen. Auch hier gilt: Investitionen, auch in die eigene Zukunft, brauchen Anreize und Sicherheit.

Henry Otto – Leiter Energy Consulting

Das A und O ist die Ausbildung, die deutlich erhöht werden kann, um den künftigen Bedarf zu decken. Daneben können Unternehmen ihre Eigenleistung in vielen Bereichen erhöhen, so kann die Abhängigkeit von Dienstleistern reduziert werden. Außerdem bieten sich beispielsweise Kooperationen in Form von gemeinsamen Servicegesellschaften an, um den Wettbewerb um die Fachkräfte zu senken und möglicherweise Synergien zu heben.

Dr. Thomas Schlaak – Partner & Head of Power, Utilities & Renewables

  1. Der Mangel zeigt sich bei Energieunternehmen insb. im konkreten Bau von Wind- und Solarprojekten, aber auch in der Digitalisierung und End-to-End Integration der Produkte und Services. Am Beispiel der Solarindustrie: Hier fehlen vor allem handwerkliche Fachkräfte wie Dachdecker, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker.
  2. Maßnahme 1: Diese Berufe werden durch die zunehmende Attraktivität des Handwerks für junge Menschen allgemein profitieren, der durch die Sinnhaftigkeit, am Aufbau der Energiewende mitzuwirken, noch gestärkt wird. Diese Art von Arbeitskräften werden auch international gefragt sein.
  3. Maßnahme 2: Aus- und Weiterbildung, sowie Bindung der bestehenden Fachkräfte.
  4. Maßnahme 3: Gezielte Fachkräftesuche im In- und Ausland, ggf. gemeinsam mit der Politik – hier sind die Unternehmen in der Solarindustrie noch nicht aktiv genug.

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