ENERGIETAGE-Telegramm Woche 1

„Noch haben wir es in der Hand“: ENERGIETAGE mit eindrücklichem Weckruf für entschlossenen Klimaschutz eröffnet

Am 21. April eröffnete Jürgen Pöschk, Initiator und Hauptveranstalter der ENERGIETAGE, die Leitveranstaltung der Energiewende in Deutschland.

Mehr als 350 Zuschauer*innen verfolgten die Eröffnung der ENERGIETAGE live, in der Pöschk die Bedeutung des energie- und klimapolitischen Diskurses im Superwahljahr betonte. „Sollten zu Beginn der neuen Legislaturperiode die Weichen nicht in die richtige Richtung gestellt werden, müssen wir schon im kommenden Herbst von einer deutlichen Zielverfehlung für 2030 ausgehen.“ so Pöschk.

Weiterhin appellierte Pöschk für einen größeren Einfluss der Klimawissenschaft auf politische Entscheidungsprozesse, da sich die Zielsetzungen der Energiewende aus den Erkenntnissen der Klimawissenschaften ergeben würden.

Einen Überblick über den aktuellen Stand der Klimawissenschaften lieferte im Anschluss Prof. Stefan Rahmstorf vom PIK Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, der zu den führenden Klimawissenschaftler*innen in Deutschland zählt. In seinem Vortrag machte Rahmstorf anhand der Zunahme von Extremwettereignissen wie Hitze, Dürre und Extremniederschlägen zunächst deutlich, dass die menschengemachte Erderwärmung bereits in vollem Gange ist. Allerdings hätten wir es noch in der Hand, die globale Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen. Dies erfordere ein rasches Absenken der CO2-Emissionen auf Null bis 2040.

Noch haben wir die Möglichkeit, wenn wir wirklich sehr entschlossen handeln“, so Rahmstorf. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Ziele der Bundesregierung, die auch aus Aspekten der Klimagerechtigkeit völlig unzureichend seien.

Olaf Scholz mit deutlicher Positionierung: Ein Gespräch auf den ENERGIETAGEN 2021

SPD-Kanzlerkandidat und Bundesfinanzminister Olaf Scholz nutzte seinen Auftritt auf den ENERGIETAGEN 2021 für klare Ansagen.

Im Rahmen einer Veranstaltung der EUMB Pöschk und Groschek Consulting plädierte Olaf Scholz für eine drastische Beschleunigung von Genehmigungsverfahren im Rahmen der Energiewende. So sprach er sich in seinem Eingangsstatement dafür aus, große Stromleitungen in drei Jahren fertigzustellen, Windkraftwerke sollen Genehmigungen innerhalb von sechs Monaten erhalten. „Ich will alles so durchforsten, dass wir solche Sachen in zwei bis drei Jahren beendet haben“, so Scholz. Das hier verkündete Ambitionsniveau wird deutlich, wenn man auf den aktuellen Vorlauf von 10 Jahren bei großen Stromleitungen schaut. Hierauf angesprochen erwiderte Scholz: „Achselzuckender Fatalismus ist etwas für feige Leute. Ich habe schon mal ein Wohnungsbauprogramm durchgesetzt mit Zahlen, die jeder für unrealistisch gehalten hat, die jetzt zur Realität der Stadt Hamburg gehören.

Die derzeit prognostizierten Strombedarfe der Zukunft hält Scholz für deutlich unterschätzt. „Wir brauchen deutlich mehr Strom – für die Wasserstoffwirtschaft, für die Elektromobilität, für Wärmepumpen… Die Zahlen, die heute in der Welt sind, sind eine Stromlüge“, sagte Scholz.

Im Rahmen des Podiumsgesprächs mit Prof. Dr. Ottmar Edenhofer (PIK Potsdam) und Jakob Schlandt vom Tagesspiegel Background Energie&Klima plädierte er beim europäischen Klimaschutz für ein neues Handelssystem für Verkehr und Gebäude analog zum deutschen Emissionshandel.

Neustart aus der Krise als Chance für wirksamen Klimaschutz

Auch dank der Corona-Krise sind die CO2-Emissionen gesunken. Nachhaltige Klimaschutzkonzepte kann das nicht ersetzen, meinte Bundesumweltministerin Svenja Schulze zum Auftakt der Berliner ENERGIETAGE. Außerdem werde uns die Klimakrise noch wesentlich länger beschäftigen.

Trotz Corona ist die Zustimmung für Klimaschutz stabil, berichtete Prof. Dr. Andreas Ziegler von der Universität Kassel: „Allerdings stimmen Personen mit finanziellen Sorgen klimapolitischen Maßnahmen deutlich weniger zu.

Für Corona-Wirtschaftshilfen sieht Prof. Dr. Claudia Kemfert vom DIW Berlin drei dringende Themen:  Ausbau erneuerbarer Energien, Digitalisierung und Verkehrswende. „Dann kann der Neustart aus der Krise eine Chance sein: für echten Klimaschutz, aber auch für eine dauerhaft nachhaltige Wirtschaftsleistung.

Den CO2-Preis hält Thorsten Herdan vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie für einen wichtigen Baustein: „Denn der bewirkt ein Umdenken – auch weil sich Geschäftsmodelle entwickeln, die den Menschen nicht in den Verzicht treiben.

Klimaschutz ist Innovation und Aufschwung“, sagte Tanja Loitz von co2online. Das zeige der Gebäudebereich. Allerdings funktioniere das nicht unbedingt freiwillig. Deswegen seien für wirksamen Klimaschutz höhere Standards, die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand und klare Ziele bei der Förderung nötig – und das Einbinden von Wissenschaft sowie Bürgerinnen und Bürgern in politische Prozesse.

Eine Renovierungswelle in Europa und Deutschland

Mit der Strategie für eine Renovierungswelle will die EU-Kommission die energetische Sanierungsquote in den nächsten zehn Jahren verdoppeln – und gleichzeitig die Wohnqualität verbessern und neue Arbeitsplätze schaffen. Ein ambitioniertes Ziel, das auch den Einsatz Deutschlands fordert, da waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Diskussionsrunde einig. „Deutschland steckt bereits in einer Renovierungswelle“, sagte Thorsten Herdan, Abteilungsleiter im BMWi. Ziel sei es, den europäischen Gebäudesektor bis 2050 klimaneutral zu machen.

Stefan Moser von der EU-Kommission führte dazu durch die vielfältigen Aspekte der Renovierungswelle, während Oliver Rapf (BPIE) und Ingeborg Esser (GdW) die vielfältigen Herausforderungen betonten. Zu dem ganzheitlichen Ansatz der Renovierungswelle passten auch die Einblicke in die Praxis der Initiative, die ebenfalls Teil der Veranstaltung waren. Darunter die „Neue Europäische Bauhaus“-Initiative, Sanierungen im Quartier sowie die Digitalisierung in Gebäuden. Wichtige Bereiche, um die EU-Pläne der Bevölkerung näher zu bringen.

Überhaupt wolle man auch in Deutschland künftig „die Kundenbrille aufziehen“, versprach Herdan: „Die Energiewende wechselt zur Nachfrageseite.“ Das bedeute nicht nur, Anreize für ein geändertes Nutzerverhalten zu setzen, sondern auch, Hürden abzubauen und neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen. Dies bekräftige auch Katja Neumann, Unterabteilungsleiterin im BMWi.

Interdisziplinär und vernetzt: Angewandte Forschung im Gebäudesektor

Gebäude und Quartiere sind in der Energieforschung ein besonderer Bereich, weil sich hier systemische Lösungen besonders gut darstellen lassen“, erklärte Dr. Rodoula Tryfonidou, Referatsleiterin im Bundeswirtschaftsministerium, während der Veranstaltung „Hochgradig erneuerbar versorgte Gebäude und Quartiere“. Kein Wunder also, dass sich hier auch viele der Reallabore der Energiewende fänden. „Statt auf einzelne Maßnahmen werden wir künftig mehr auf interdisziplinäres Arbeiten setzen“, erklärte Tryfonidou.

Auf Gebäude entfalle immer noch der größte Teil der Treibhausgasemissionen, erklärte Dr. Harald Drück von der Universität Stuttgart. Entsprechend ambitioniert seien die Ziele der Bundesregierung, den Sektor bis 2050 klimaneutral zu gestalten. Dafür gebe es laut Prof. Dr. Hans-Martin Henning, Sprecher der Fraunhofer-Allianz Energie, zwei effektive Stellschrauben: die energetische Sanierung der Gebäudehülle und den Einsatz klimaschonender Wärmetechnik.

Alle Teilnehmenden betonten zudem, wie wichtig ein Austausch auf Forschungsebene sei. Gerade wenn es um moderne Technologien gehe: Kalte Wärmenetze mit Eisspeichern, digital gestützte Simulationen oder der Einsatz von Künstlicher Intelligenz würden künftig eine wichtige Rolle spielen. Mit dem Forschungsnetzwerk Energiewendebauen stellte sich schließlich auch eine Initiative vor, die Forschende aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammenbringt.

Deutschland baut um… Perspektiven des klimagerechten und bezahlbaren Wohnens in Deutschland

Allein rund 460 Online-Anmeldungen bestätigten schon das hohe Interesse an den Perspektiven des klimagerechten und bezahlbaren Wohnens in Deutschland unter dem Titel Deutschland baut um, die Dietmar Walberg, ARGE-SH für zeitgemäßes Bauen e. V., aus Kiel moderierte. Peter Rathert, BMI, beschrieb die neuen EU-Vorgaben und ihre Anforderungen an bezahlbares Bauen und Wohnen in Deutschland. Joachim Gerth, BMI, stellte u.a. die erweiterten Förderangebote in der Quartierssanierung ab 01.04.2021 vor.

In der zentralen Podiumsrunde konnte Peter-M. Friemert, ZEBAU GmbH und IKzB Berlin, Frau Anne Kathrin Bohle, Staatssekretärin im BMI, und Dr. Christoph Krupp, Vorstandssprecher BImA zur Vorbildrolle des Bundesbauten ansprechen.

Der vielfältige Bestand der Bundesbauten wird zukünftig in drei Dimensionen erfasst und beschreibt den baulichen und den energetischen Zustand sowie den Grad der Barrierefreiheit. Hieraus werden die Objekte in Klassen eingeteilt und entsprechend in den kommenden Jahren mit hohem Investitionsaufwand modernisiert. Dr. Krupp hob u.a. den Kauf von 1000 Ladesäulen zur Verbesserung der Infrastruktur für Elektromobilität hervor.

Neue Gebäude des Bundes sollen zukünftig einem EffizienzgebäudeBund 40 (EGB40) entsprechen und somit die aktuellen gesetzlichen Mindestanforderungen beim Jahres-Primärenergiebedarf um 60% unterschreiten.

Beide Podiumsgäste stimmten überein, dass der Gebäudeökobilanzierung in den kommenden Jahren in den Bundesbauten wachsende Bedeutung zukommt. Den Blick nach vorne rundeten Projekte ab:

u.a. erfüllt der Erweiterungsbau der Vereinten Nationen auf dem UN-Campus im ehemaligen Regierungsviertel am Rhein in Bonn hohe ökonomische, ökologische und soziokulturelle Anforderungen und erreicht als energiesparendes Passivhaus den Goldstandard im Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB).

Klimaneutralität, aber wie? | Wärmeversorgung – Der entscheidende Faktor für die Klimaneutralität

Im Panel der Initiative Wohnen.2050 diskutierten Experten die aktuelle Situation in der Energieversorgung der Wohnungswirtschaft, sprachen über Zukunftspotenziale und anstehende Aufgaben der Politik.

Die Energiewirtschaft kann eine Menge dazu beitragen, dass der Wohnungsbestand in Deutschland klimaneutral wird. Die Wärmewende muss aber ganz maßgeblich auch eine Infrastrukturwende sein“, so Christian Maaß (Geschäftsführer HIC – Hamburg Institut Consulting GmbH).

Unter Moderation von Volker Angres, Leiter der ZDF-Redaktion Umwelt, erörterten er und Werner Diwald (Vorstandsvorsitzender DWV - Deutscher Wasserstoff und Brennstoffzellen-Verband e. V.) sowie Dr. Martin Sabel (Geschäftsführer bwp – Bundesverband Wärmepumpe e. V.) den Status quo und die möglichen Lösungsansätze bei der Wärmeversorgung in der Wohnungswirtschaft. „Dämmung und ihre Supermaximierung sind nicht zielführend.“ – Volker Angres brachte es gleich zu Beginn auf den Punkt. Die einhellige Meinung der Panel-Teilnehmer: Infrastrukturen müssen gekoppelt, grüne Fernwärme und der Einsatz von Wasserstoff versorgungssicher ausgebaut werden, Wärmepumpen auch in großen Beständen ihren Einsatz finden. Parallel gelte es, Geothermie, regionale Potenziale und Abwärme – egal, ob aus Industrie, Rechenzentren, Handelsimmobilien oder gar Abwasser – zukünftig weit intensiver zu nutzen. Noch aber fehle dazu der regulatorische Rahmen der Politik. Bestehende Vorgaben wie die Wärmezulieferverordnung würden die Situation am Markt nicht erleichtern. Durch die CO2-Bepreisung erhofften sich die Diskutanten mehr Bewegung bei der Wärmewende im Energiesektor.

Ohne Wärmewende keine Klimaneutralität: Erfolgreiche VDI-Veranstaltung auf den Berliner ENERGIETAGEN

Mehr als 270 Teilnehmende diskutierten am 21. April auf der VDI-Veranstaltung „Herausforderungen einer klimaneutralen Wärmeversorgung in 2050“ technische und ordnungspolitische Herausforderungen bei der Transformation des Wärmesektors.

Gerhard Stryi-Hipp vom VDI-Fachausschuss Regenerative Energien (FA-RE) präsentierte die in der neuen VDI-Publikation „Bausteine für eine klimaneutrale Wärmeversorgung“ formulierten technischen Herausforderungen an die Wärmeversorgung sowie unterschiedliche Lösungsoptionen.

Dr. Volker Hoppenbrock vom BMWi stellte die Aktivitäten der Bundesregierung für eine klimaneutrale Wärmeversorgung vor. Die Rolle der Wärmepumpen in einem zukünftigen sektorgekoppelten Energiesystem präsentierte Dr. Marek Miara vom Fraunhofer ISE, während Frank Grewe, 2G Energy AG, den Beitrag dezentraler KWK-Anlagen zur umweltfreundlichen Wärmeversorgung hervorhob.

Die Podiumsdiskussion mit den Bundestagsabgeordneten Dr. Julia Verlinden, Bündnis90/Die Grünen, Carsten Müller, CDU/CSU-Fraktion, sowie Dr. Volker Hoppenbrock, BMWi, fokussierte sich im Anschluss vor allem auf die Potenziale der Fördermaßnahmen im Wärmesektor, eine mögliche Verschärfung der gesetzlichen Effizienzvorschriften im Gebäudebereich und die Lenkungswirkung von CO2-Preisen.

Future Fuels: Rahmenbedingungen für Markthochlauf nötig

Alternative Kraft- und Brennstoffe gelten, neben Effizienzsteigerungen und dem Ausbau der Ökostrom-Erzeugung, als wichtige Säule der Energiewende. Jetzt gilt es, die Weichen für einen raschen Markthochlauf zu stellen.

Future Fuels, also Wasserstoff, seine Folgeprodukte sowie fortschrittliche Biobrennstoffe, können den Klimaschutz voranbringen. Aber wie lassen sich schnell große Mengen verfügbar machen und wo sollen sie zum Einsatz kommen? Das waren Themen der Veranstaltung „Mit Future Fuels Klimaschutz tanken“, zu der das Institut für Wärme und Mobilität (IWO) am 21. April im Rahmen der Berliner ENERGETAGE eingeladen hatte.

Es diskutierten bzw. referierten die Bundestagsabgeordneten Dr. Ingrid Nestle (Bündnis 90/Die Grünen) und Mark Helfrich (CDU) sowie Kilian Crone (dena), Dr. Alexander Tremel (Siemens Energy), Florian Ruppert (Viessmann Climate Solutions) sowie Adrian Willig und Christian Halper (beide IWO).

Rund 250 Teilnehmende folgten den Ausführungen und brachten Fragen ein. Klar wurde: Es geht nun um die zeitnahe Umsetzung des Markthochlaufs. Dabei gibt es noch Diskussionsbedarf. IWO-Geschäftsführer Adrian Willig sprach sich für eine anwendungsoffene Nutzung von Future Fuels aus, die den Einsatz im Pkw mit einschließt. Dafür sei unter anderem eine Energiesteuerreform notwendig. „Kraftstoffe sollten in Zukunft anhand ihrer Klimawirkung bewertet und ihre fossilen CO2-Emissionen zur Bemessungsgrundlage gemacht werden.

Bürgerenergie für alle: Spielräume für neue Modelle nutzen

In Essen wird unter Beteiligung der Stadt ein inklusives Bürgerenergie-Projekt entwickelt, das auch den Austausch der produzierten erneuerbaren Energie mit benachbarten Einrichtungen beinhaltet. Damit setzt das Vorhaben Neuerungen um, die die EU-Richtlinie für Erneuerbare Energien vorgibt. Die Richtlinie soll im Sommer in Deutschland in nationales Recht überführt werden. Das Pilotprojekt zeigt, wie mehr Kommunen und Menschen mitmachen könnten. Bisher sind laut Prof. Dr. Jens Lowitzsch (www.score-h2020.eu) nur 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung an der Energiewende beteiligt.

Wollen wir die Klimaziele erreichen, müssen Kommunen weitere Wind- und Solarparks errichten. Das ist nur möglich, wenn sich Bürgerinnen und Bürger vor Ort beteiligen können“, sagt Felix Benjamin Schäfer von den Bürgerwerken. Über neue Finanzierungsmodelle wie CSOP sollen insbesondere Menschen mit geringem Einkommen, aber auch Frauen, bildungsferne Schichten oder junge Menschen eingebunden werden.

Die Rahmenbedingungen dafür sind laut Prof. Dr. iur. Maik Wolf (TU Dresden) da und „die politischen zumindest im Ansatz auch“. Jutta Paulus (MdEP) sieht die Bundesregierung in der Pflicht: „Für die Transformation brauchen wir alle. Es reicht nicht, schöne Gesetze zu machen, mit denen man nur 20 Prozent der Bevölkerung hinter sich hat. Wir müssen alle mitnehmen. Sonst schaffen wir das nicht.

Rund 250 Teilnehmende folgten den Ausführungen und brachten Fragen ein. Klar wurde: Es geht nun um die zeitnahe Umsetzung des Markthochlaufs. Dabei gibt es noch Diskussionsbedarf. IWO-Geschäftsführer Adrian Willig sprach sich für eine anwendungsoffene Nutzung von Future Fuels aus, die den Einsatz im Pkw mit einschließt. Dafür sei unter anderem eine Energiesteuerreform notwendig. „Kraftstoffe sollten in Zukunft anhand ihrer Klimawirkung bewertet und ihre fossilen CO2-Emissionen zur Bemessungsgrundlage gemacht werden.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit: ESYS und DECHEMA diskutierten mit Gästen Potenziale und Grenzen einer deutschen Wasserstoffwirtschaft

Mögliche Anwendungen von Wasserstoff in Deutschland sowie internationale Implikationen standen im Zentrum der zweiteiligen Session, die den Hoffnungsträger der Energiewende aus systemischer Perspektive betrachtete.

Die erste Diskussionsrunde eröffnete Dirk Uwe Sauer (ESYS-Direktoriumsmitglied, RWTH Aachen). Wasserstoff könne als „Missing Link“ der Energiewende dort wirken, wo klimafreundliche Alternativen bis jetzt fehlen, erläuterte der Experte. Wichtig sei jedoch, diesen Energieträger mit Bedacht einzusetzen. Dies zeigte sich auch im Gespräch mit Ralph Kleinschmidt (Thyssenkrupp Industrial Solutions AG) und Anna Leidreiter (Referentin Wasserstoff und Erneuerbare Energien des Landes Schleswig-Holstein): Für einen effizienten Einsatz sei zu unterscheiden zwischen Anwendungsgebieten, in denen andere Technologien den Ausstoß von Treibhausgasen verringern können, und solchen, in denen der Einsatz von Wasserstoff beziehungsweise von daraus abgeleiteten E-Chemikalien und E-Kraftstoffen alternativlos sei – beispielsweise in der Stahlindustrie oder im Flugverkehr. Perspektiven einer globalen Wasserstoffwirtschaft beleuchteten anschließend Maike Schmidt (Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg), Michael Kalis (IKEM), Kirsten Westphal (Stiftung Wissenschaft und Politik) und Maira Kusch (Weltenergierat). In der Diskussion zeigte sich deutlich, wie vielschichtig die internationalen Implikationen einer globalen Wasserstoffwirtschaft sind, die einer Neugestaltung der Energielandschaft gleichkomme.

Neben technischen und ökonomischen Aspekten spielten auch Fragen nach gemeinschaftlichen Standards und Zertifizierungen eine wichtige Rolle, wenn Wasserstoff einen möglichst großen Beitrag zur Klimagerechtigkeit beitragen soll.

Einig waren sich die Expert*innen in beiden Diskussionen, dass Deutschland schnell handeln muss, um den Anschluss nicht zu verlieren und seine Klimaziele zu erreichen. Es brauche ambitionierte Ziele, Entschlossenheit und auf Bundesebene beschlossene Richtlinien, um zügig eine deutsche Wasserstoffwirtschaft aufs Gleis bringen.

ENERGIETAGE – Rahmenprogramm

Digitale Networking-Formate sorgen für Kongressatmosphäre auch im digitalen Raum

Ob interessenbasiertes Matchmaking im Kongress- und Community-Bereich der ENERGIETAGE-Website, offenes Networking im digitalen Pausenhof oder kurze Eventformate über Zoom: das Gefühl, auf einem Kongress unterwegs zu sein, versuchen die ENERGIETAGE auch im digitalen Raum zu vermitteln. Auf besonders viel Zuspruch trifft dabei das abendliche Speeddating zum Feierabend: in hoher Frequenz wechseln die Teilnehmer:innen durch sogenannte Break-Out-Räume, in denen sie wenige Minuten Zeit haben, die anderen ein oder zwei Menschen im Raum kennenzulernen und die eigenen Themenfelder und Projekte zu pitchen.

Und nach 30 Minuten und mehreren neuen Visitenkarten in der digitalen (Hosen-)Anzugtasche geht’s dann nach einem langen Kongresstag auch in den wohlverdienten Feierabend – sofern in der eigenen Eventliste nicht noch ein Abendevent vermerkt ist oder auf die für alle offene Networkingplattform Wonder gewechselt wird. Hier sind – rein browserbasiert – eigentlich immer ein paar andere Teilnehmer:innen anzutreffen, die gerade Eventpause machen oder nach einer Fachveranstaltung hergekommen sind, um mit anderen Teilnehmer:innen und Referent:innen die gerade erlebten Inhalte zu vertiefen und zu diskutieren. Fast wie auf einem richtigen Kongress.

Aktiver Start in die digitalen Kongresstage

Ein digitaler Kongresstag fordert Körper und Geist. Daher waren die ENERGIETAGE-Teilnehmer*innen am Donnerstag und Freitag eingeladen, den Tag bewusst und gelassen mit Yoga zu starten.

Yoga-Lehrerin Karoline Müller gestaltete das 30-minütige Yoga-Warm-up mit Elementen der Körperwahrnehmung, Atmung, Körperhaltungen und Bewegungen. Auf die kraft- und ruhespendenden Übungen können die Teilnehmer*innen gut zwischen den einzelnen Veranstaltungen zurückkommen, um so den Fokus und die Konzentration über den gesamten Tag aufrechtzuerhalten.

Auch in dieser Woche können sich die Teilnehmer*innen wieder auf das Yoga-Warm-up mit Karo freuen. Los geht’s immer um 08:15 Uhr.

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