ENERGIETAGE Telegramm | 2. & 3. Mai

„Wärmstes Jahrzehnt seit 20.000 Jahren“: ENERGIETAGE mit Appell für entschiedenen Klimaschutz eröffnet

Die ENERGIETAGE 2022 sind gestartet: Jürgen Pöschk, Initiator und Hauptveranstalter der ENERGIETAGE, appellierte in seiner Eröffnungsrede für einen ehrlichen und verantwortungsvollen Diskurs in Zusammenhang mit der aktuellen Energiekrise. „Wir sollten uns nicht von alten ideologischen Leitplanken eingrenzen lassen. Gesinnungsethische Ansätze, die darauf abzielen, seinen ethischen und ideologischen Grundsätzen treu zu bleiben, sind in der aktuellen Krise unbrauchbar“, so Pöschk.

Pöschk mahnte außerdem an, dass bei der Bewältigung der Energiekrise die Klimakrise nicht in den Hintergrund rücken dürfe. Die Politik stehe an einer entscheidenden Weggabelung, bei der es aktuell um die Frage gehe,ob sich die politische Steuerung auf die Energiekrise und deren Bewältigung beschränkt ober ob sie versucht, diese Situation als Booster für den Klimaschutz und für die Erreichung der Klimaneutralität zu nutzen. „Denn eines dürfte klar sein: die Entscheidung, ob und wann Klimaneutralität erreichbar sein wird, fällt jetzt.“, so Pöschk weiter.

Die Dringlichkeit dieser Entscheidung unterstrich auch der Klimawissenschaftler Prof. Stefan Rahmstorf vom PIK Potsdam Institut für Klimafolgenforschung e.V. in seinem anschließenden Überblick über den aktuellen Stand der Klimawissenschaften. Derzeit sei die höchste CO2-Konzentration in der Atmosphäre seit 3 Mio. Jahren, wahrscheinlich sogar seit 15 Mio. Jahren zu beobachten. Außerdem sei das vergangene Jahrzehnt höchstwahrscheinlich das wärmste seit mindestens 20.000 Jahren, so Rahmstorf. Dabei unterstrich der Klimawissenschaftler aber auch: „Aus physikalischer Sicht lässt sich die 1,5 Grad-Grenze noch halten.“

"Berlin muss Chancenstadt werden.“ – Das Forum Urbane Infrastrukturen 2022 des Verlags Der Tagesspiegel

Wie wird Berlin CO2-neutral? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Forum Urbane Infrastrukturen 2022 des Verlags Der Tagesspiegel. Die digitale Veranstaltung fand am 03. Mai im Rahmen der Berliner Energietage statt und bot den Teilnehmenden neben drei Best Practice Cases der Energiewende eine Keynote von Stephan Schwarz, Senator für Wirtschaft, Energie und Betriebe des Landes Berlin, und eine Paneldiskussion unter Beteiligung von Daniel-Jan Girl, Präsident der IHK Berlin, Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der dena, Snezana Michaelis, Mitglied des Vorstandes der Gewobag, und Dr. Tanja Wielgoß, Vorstandsvorsitzende der Vattenfall Wärme Berlin AG.

Die Veranstaltung wurde moderiert von Kevin P. Hoffmann, Verantwortlicher Redakteur für die Berliner Wirtschaft beim Tagesspiegel. Thematisch wurde ein weiter Bogen gespannt, von Energieeinsparpotenzialen, über die Bedeutung von Innovationen bis hin zur Zukunft des Stadtwärmenetzes. Senator Schwarz betonte: „Der Ausbau der erneuerbaren Energien heißt mehr Sicherheit und auch mehr Unabhängigkeit.“ Auch die Auswirkungen des Angriffs auf die Ukraine wurden diskutiert. Auf die Frage, was passieren würde, wenn Russland den Gashahn zudreht, antwortete Dr. Tanja Wielgoß: „Wenn Deutschland vom Gas abgeschaltet wird, dann schaltet der Notfallplan. Wir fühlen uns gerüstet dieses Netz aufrecht zu erhalten.“ Snezana Michaelis forderte die Echtzeitverfügbarkeit von Daten des Energieverhaltens von Bewohner:innen und Daniel-Jan Girl mehr Mut und Zusammenarbeit bei der Energietransformation: "Berlin muss Chancenstadt werden.“ Das Forum Urbane Infrastrukturen 2022 wurde unterstützt von der Vattenfall Wärme Berlin AG.

Den ganzen Lebenszyklus von Gebäuden in den Blick nehmen – eine Schlüsselfrage für den Klimaschutz

Berücksichtigt man über die Nutzungsphase hinaus den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden - also die Emissionen für die Errichtung, den Erhalt und den Rückbau - tragen diese etwa 8% zu den deutschen THG-Emissionen bei. Es ist daher dringend notwendig, dass eine lebenszyklusorientierte Bewertung von Gebäuden in Förderung und Ordnungsrecht integriert wird. In der digitalen Veranstaltung der Deutschen Umwelthilfe e.V. wurde das Thema zunächst in drei kurzen Impulsen aus Sicht der Wissenschaft (Prof. Dr. habil. Thomas Lützkendorf, Karlsruher Institut für Technologie), Praxis (Elise Pischetsrieder, weberbrunner berlin Gesellschaft von Architekten mbH) und Industrie (Jan Peter Hinrichs, BUVEG) beleuchtet. Anschließend wurde mit MdBs Kassem Taher Saleh (Bündnis 90/ Die Grünen), Timon Gremmels (SPD), Caren Lay (Die Linke) sowie mit 200 Teilnehmenden diskutiert, wie einen klimaneutralen Gebäudebestand bis 2045 unter Berücksichtigung des gesamten Lebenszyklus von Gebäuden erreichen werden kann und welche Instrumente für eine nachhaltige Bauwende notwendig sind. Einig war sich ein Großteil der Teilnehmer*innen darüber, dass im Rahmen der anstehenden Neuausrichtung der Förderprogramme und der Revision des Gebäudeenergiegesetzes Anforderungen auf die Umweltwirkungen von Gebäuden über den gesamten Lebenszyklus gestellt werden müssen.  

Notwendigkeit sozialverträglicher Regulierungen der steigenden Energiepreise

Aus der Perspektive des Jahres 2030 ist das jetzige Jahrzehnt geprägt von Krisen: Der Krieg in der Ukraine führt zu Verwerfungen auf dem Energiemarkt, durch die Corona-Pandemie kommt es zur Inflation und die Klimakrise zieht steigende Energiepreise nach sich. „Die Heizkosten stiegen bereits bis März 2022 um 94 Prozent“, sagte Alexander Steinfeldt von co2online.

„Der CO2-Preis verteuert fossile Energieträger“, berichtete Peter Mellwig vom Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu). „Die hohen Energiekosten belasten ärmere Haushalte trotz der Entlastungspakete sogar deutlich stärker.“ Um einen Ausgleich zu schaffen, plädierte er für langfristige und zielkompatible Instrumente.

Wibke Werner vom Berliner Mieterverein hält eine Aufstockung der Fördermittel für Bestandsgebäude für einen wichtigen Baustein. Es sei nötig, „gezieltere Hilfen auszuzahlen statt Fördergelder im Gießkannenprinzip zu verteilen.“

„Im Jahr 2030 werden wir Energie ganz anders wahrnehmen als heutzutage“, fasste Mechthild Zumbusch von der Berliner Energieagentur zusammen. Besonders für Verbraucher*innen sei es essenziell, einen regelmäßigen Überblick über die Energiekosten zu bekommen. 

Dr. Katja Schumacher vom Ökoinstitut warf abschließend einen Blick auf die Maßnahmen anderer Staaten, Anreize für Klimaneutralität zu schaffen. Zugleich betonte sie den Faktor Teilhabe: „Alle müssen zum Klimaschutz beitragen.“

Kalte Nahwärme 5.0 - Schlüssel der Energiewende?

Es hat uns sehr gefreut, über 300 Teilnehmern unseres Webinars die „Oberflächennahste Geothermie und die Kalte Nahwärme 5.0“ nahe zu bringen.  Die rege Chatbeteiligung während unserer Vorträge und der anschließenden Podiumsdiskussion hat uns darin bestärkt, dass Kalte Nahwärme 5.0 nicht nur von uns als ein wichtiger Schlüssel der Energiewende wahrgenommen wird.

Wesentliche Themen wie das geothermische Potenzial als saisonaler solarer Wärmespeicher, die heutige Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit der Kollektorsysteme oder genehmigungsrechtliche Stolpersteine, aber auch Notwendigkeit und Potential der Sektorkopplung von Speicherquellen/Erdwärme mit Speichersenken/Bauteilaktivierung, intelligenter Nutzung erneuerbarer Energien und gesamtheitlicher Regelung inklusive Digitalisierung wurden adressiert. In den letzten Jahrzehnten hat sich die oberflächennahste Geothermie schon vielfältig bewährt. Die Netzwerkpartner gehen nun die nächste große Herausforderung der Integration in den Bestand an.

Erneuerbare KWK – ein Schwergewicht im zukünftigen Energiesystem

Am 3. Mai 2022 verfolgten etwa 100 Leute bei den ENERGIETAGEN das Programm des B.KWK Vom grauen Dauerläufer zum grünen Sprinter. „Die KWK ist für 2050 mindestens bereit“, konstatierte B.KWK-Präsident C.-H. Stahl eröffnend, bevor F. Grewe (2G Energy AG) und M. Huber (SYNCRAFT GmbH) das BHKW des Jahres 2021 vorstellten. Das Holzgas-BHKW produziert zusätzlich Pflanzenkohle und ist damit ein System, das „über das Klimaneutrale hinaus zum Klimapositiven geht“. Dr. Payrhuber (INNIO Jenbacher) hatte moderne H2-BHKWs zum Thema. Klar wurde, KWK-Anlagen sind H2-ready, die Verfügbarkeit von H2 in den Netzen der limitierende Faktor. Wegen der Effizienz und der Flexibilität sollte die „mit EE betriebene KWK zur Deckung der Residuallast immer Vorrang haben“, endete er.

Eine Möglichkeit, wie Quartiere ihre CO2-Bilanz verbessern können, illustrierte C. Zeis (EDG GmbH) am "Energieeffizienzcluster Schulzentrum Nieder-Olm". Die Kombination aus Biomethan, hocheffizienter KWK und Energiespeicher ist Best-Practice in der Quartiersversorgung. Herr Zeis schloss mit der Forderung, dass Biomethan im KWKG bleiben müsse, um die Residuallast bestmöglich zu decken und fossile Energie zu verdrängen. Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke M. Prinz erläuterte, wie die Wärmewende unter anderem durch Nutzung industrieller Abwärme gelingen kann. Das Projekt wird 20.000 Haushalte mit klimaneutraler Wärme versorgen. „Wie B.KWK-Präsident Stahl so schön sagte, die KWK ist der grüne Sprinter und wir werden sie nutzen, um die Industrie-Abwärme zu veredeln“.

Wiedersehen, Kennenlernen, Networking am Ende eines Kongresstages: Speeddating zum Feierabend – Berlin Community Edition

Die Kampagne „Berlin spart Energie“ der Berliner Senatsumweltverwaltung hat zum digitalen Kennenlernen eingeladen. Das bewährte Speeddating-Format ermöglicht es, verschiedene Menschen und ihre Energiewende- und Klimaschutzprojekte zufällig kennenzulernen und neue spannende Bekanntschaften zu knüpfen.

In drei Runden konnten die Teilnehmer*innen so in einer halben Stunde 9 Personen in den Breakout-Räumen kennenlernen. Die Teilnehmer*innen tauschten sich bspw. zu den Fragen aus „Welches Projekt würden Sie beruflich gerne einmal umsetzen, wenn Sie 1.000.000 Euro Budget bekämen?“ oder „Welcher Ort steht für Sie sinnbildlich für Energiewende und / oder Klimaschutz und warum?“.

In den kurzen Pausen trafen sich die Teilnehmer*innen wieder gemeinsam in der großen Runde und wurden von der Kampagnenleiterin Lisa Bührmann über „Berlin spart Energie“ und die aktuellen Kampagnenaktivitäten informiert.

Dass das „Berlin spart Energie“-Speeddating wieder einmal für einen spannenden Austausch gesorgt hat, belegt das anschließende Feedback: Alle Teilnehmer*innen waren bereit, Ihre Kontaktdaten für einen vertieften Austausch zur Verfügung zu stellen.

„Berlin spart Energie“ führt weitere Speeddating-Formate durch. Eine Übersicht findet sich im Dialogforum „Berlin spart Energie“.

Entspannt und fokussiert in den Kongresstag starten: Yoga-Warm-up mit Karoline Müller

Mehr als 220 Stunden Programm umfassen die ENERGIETAGE 2022. Um da nicht den Fokus zu verlieren und entspannt in den vollen Kongresstag zu starten, trafen sich die ENERGIETAGE-Teilnehmer*innen zur 30-minütugen Yoga-Session.

Yoga-Lehrerin Karoline Müller gestaltete die Session mit Elementen der Körperwahrnehmung (Vipassana), Atmung (Pranayama), Körperhaltungen (Asana) und leichten Bewegungen. Auf die kraft- und ruhespendenden Übungen können die Teilnehmer*innen zwischen den zahlreichen Events der ENERGIETAGE zurückkommen, um so den Fokus und die Konzentration über den gesamten Tag aufrechtzuerhalten.

Am Freitag (06.05.) können sich die Teilnehmer*innen auf das nächste Yoga-Warm-up freuen. Los geht’s um 08:30 Uhr.

Programm & Anmeldung
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Pressematerial & -Akkreditierung
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