Bild: Leon Kopplow

Telegramm Woche 1: Auftakt des „Digitalen Sommers der Energiewende“

Energietage-Community blickt optimistisch auf Zukunft der Energiewende in Deutschland

Der Digitale Sommer der Energiewende ist da: Am 26. Mai wurden die ENERGIETAGE 2020 durch Jürgen Pöschk, Initiator und Hauptveranstalter der ENERGIETAGE, eröffnet.

Rund 200 Zuschauer*innen verfolgten die Eröffnung der Energietage 2020, in der Pöschk auf die Potenziale des digitalen Großkongresses hinwies: das neue Format biete den großen Vorteil, dass sich Zuschauer*innen „von den Alpen bis zur Ostsee“ an den Diskussionen rund um die Energiewende in Deutschland beteiligen können. Die Energietage erfreuen sich darüber hinaus auch internationaler Beteiligungen, wie etwa Anmeldungen aus Tokyo und Madrid zeigen.

„Lassen Sie uns als Energietage-Community zusammenwachsen, lassen Sie uns intensiv diskutieren und lassen Sie uns über diese Ergebnisse Einfluss auf die Ausgestaltung der Energiewende in Deutschland ausüben“, so Pöschk weiter. Erste Forderungen für die künftige Ausgestaltung der Energiewende wurden anschließend von führenden Verbandsvertretern und politischen Meinungsführen geäußert. Im nachfolgenden Video können diese „nachgehört“ werden:

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 Auch die Zuschauer*innen wurden während der Eröffnung gefragt, wie sich die Energiewende ihrer Meinung nach im nächsten Jahr entwickeln wird. Das Ergebnis der Live-Umfrage: Der Großteil der Teilnehmer*innen blickt optimistisch auf die Zukunft der Energiewende in Deutschland und sagt, die Energiewende wird sich mit gleichem Tempo weiterentwickeln bzw. deutlich mehr Fahrt aufnehmen.

Dass das digitale Format der Energietage 2020 ein Experiment ist, bei dem hin und wieder (technische) Schwierigkeiten auftreten, wurde in der anschließenden Veranstaltung des Bundesumweltministeriums (BMU) deutlich. Nach kurzer Verzögerung konnte die Veranstaltung aber u.a. mit Redebeiträgen von Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Thorsten Herdan (Leiter der Abteilung Energiepolitik – Wärme und Effizient im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi)) wie geplant stattfinden. Mehr als 350 Zuschauer*innen waren live mit dabei.

Keine KI ohne Datenschutz

Das Thema Datenschutz bleibt ein heißes Thema in der Debatte um künstliche Intelligenz – auch beim Impulsvortrag zu „Chancen und Herausforderungen für KI in der Energiewirtschaft“ der Deutschen Energie-Agentur (dena) im Rahmen der Berliner Energietage. Dabei wurde von den Teilnehmenden unter anderem darüber diskutiert, ob das Thema Datenschutz ein Hemmnis für die Anwendung von KI im Allgemeinen und in der Energiewirtschaft darstellt. Denn eine gläserne KI, wie dies von China und den USA praktiziert wird, solle es in Europa definitiv nicht geben. Man ist sich aber einig, dass eine reife KI durchaus in der Lage ist und sein wird, Personenprofile zu schützen, und gleichzeitig den Datenaustausch zweier Parteien zu unterstützen. Europa könne und müsse dabei in puncto Datenschutz eine Vorreiterrolle einnehmen! Dabei bedarf es aber auch geeigneter Vernetzungs- und Austauschformate, damit es nicht nur bei der Forschung bleibt – denn die Zeit ist reif für Pilotierungsprojekte. Genau da setzt die dena an und bietet mit dem im Auftrag des BMWi neugegründeten Future Energy Lab ein Pilotierungslabor für die Energiewirtschaft, welches Akteure aus der Digitalisierungs- und Energiebranche zusammenbringen soll, um dadurch das Beste aus beiden Welten zu vereinen.

Decarbonisation Divide? Die systemischen Risiken einer globalen Energiewende

In der Session „Decarbonisation Divide? Die systemischen Risiken einer globalen Energiewende“ diskutierte Laima Eicke am 26. Mai mit zahlreichen Teilnehmenden aktuelle Studienergebnisse der Forschung ihres Projektteams am Institut für transformative Nachhaltigkeit (IASS). Im Zentrum stand die Frage nach möglichen Gründen und Folgen einer ungleichen Energiewende, und wie wir diese Risiken vermeiden und eine globale Energiewende zu stärken können.

Demnach sind später dekarbonisierende Länder strukturellen, systemischen Risiken ausgesetzt, die auch regionale und globale Risiken verstärken. Eine höhere Emissionsintensität kann in Zeiten, in denen die EU-Kommission bereits die Einführung von CO2-Grenzzöllen plant, die internationale Wettbewerbsfähigkeit hemmen und Marktzugänge erschweren. Zudem könnten insbesondere Staaten, deren BIP stark von fossilen Energieexporten abhängig sind, darunter leiden, wenn diese zu stranded assets werden. Wenn sich die Kluft zwischen früh und spät dekarbonisieren Staaten weitet, könnten Konflikte befeuert werden und die internationale Kooperation darunter leiden. Gleichzeitig sind Kooperation und Vertrauen wichtig, um Klimaschutzambitionen (NDCs) im Jahr 2020 weltweit zu erhöhen.

In der Diskussion wurde deutlich, dass es ein zentraler Ansatz zur Vermeidung dieser Risiken wäre, Ländern des globalen Südens ausreichende technologische und finanzielle Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um weltweit Energiewendeprozesse zu beschleunigen.

Systemische Herausforderung der Wärmewende

Eine erfolgreiche Wärmewende bis 2050 ist möglich. Das „Wie“ wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert und die Diskussion hat sich auch in der Veranstaltung zu der „Systemischen Herausforderung der Wärmewende“ von Fraunhofer ISE, Öko-Institut, Umweltbundesamt und Hamburg-Institut gezeigt, an der ca. 120 Personen teilgenommen haben. Passend zum Titel wurde die Frage an das Publikum gestellt, wo die größte Herausforderung der Wärmewende gesehen wird.

Die Bedarfsreduktion im Gebäudesektor und die zielgerichtete Anpassung des politischen Rahmens ist auch im Laufe der Veranstaltung immer wieder thematisiert worden. Interessant ist, dass die Dekarbonisierung der Fernwärme nicht als wichtige Herausforderung in der Umfrage genannt wurde, dieses Thema aber mit die meisten Rückfragen aus dem Publikum hatte. Die Notwendigkeit, dass ein großer Teil der Gebäude auf das Niveau eines Passivhauses im Bestand saniert werden muss, wurde als kritisch und schwer realisierbar gesehen.

Angebrachte Aspekte im Zusammenhang mit dem Ausbau und der Dekarbonisierung der Fernwärme sind u.a. die langen Investitionszyklen, der teure Ausbau sowie die sinkende Effizienz und Wirtschaftlichkeit, wenn der Energiebedarf in Gebäuden stark zurückgeht. Heer Sandrock hat in diesem Zusammenhang auf positive Beispiele in Dänemark verwiesen. Diese zeigen auch, dass Fernwärme zu einem großen Teil schon heute erneuerbar bereitgestellt werden kann. Wie das in Deutschland gelingen kann, ist aus dem Publikum häufig gefragt worden. Ein wichtiger Aspekt war der hohe Flächenbedarf für die erneuerbare Wärmeerzeugung. In diesem Zusammenhang haben die Referenten mehrfach auf die Wichtigkeit eines koordinierten und zielkonformen Vorgehens auf kommunaler Ebene in Form einer strategischen kommunalen Wärmeplanung, wie sie z.B. in der Schweiz schon etabliert ist, hingewiesen.

Insgesamt ist sowohl von den Referenten als auch den Teilnehmenden betont worden, dass der politische Rahmen an den langfristigen Klimaschutzzielen ausgerichtet werden und durchaus ordnungsrechtlich gelenkt werden muss.

„Wir müssen jede Krise bekämpfen“

Den Auftakt des Rahmenprogramms machte am 26. Mai die „Speaker’s Corner“ mit Jakob Blasel von Fridays for Future Deutschland. Blasel betonte die Relevanz der Klimakrise im Zusammenhang anstehender Konjunkturprogramme: „Wir müssen natürlich die Wirtschaft retten, aber dabei müssen wir auch die Klimakrise bekämpfen – wir müssen beiden gleichzeitig schaffen. Wir müssen jede Krise bekämpfen“, so Blasel.

Bewusster und gelassener Start in den Tag mit Yoga

Am 27. Mai trafen sich die Energietage-Frühaufsteher zum gemeinsamen sportlichen Start in den Tag. Yoga-Lehrerin Karo gestaltete die 30-minütige Yoga-Session mit Elementen der Köperwahrnehmung, Atmung, Körperhaltungen und Bewegungen. Auch nächste Woche können sich die Teilnehmer*innen wieder auf das Yoga-Warm-up mit Karo freuen.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein entspanntes Pfingst-Wochenende!

Ihr Energietage-Team