Eine Woche mit über 90 Events digital und in Präsenz im Ludwig-Erhard-Haus sind vorüber. Die Highlights der Berliner ENERGIETAGE 2022 als kompakte Zusammenfassung: Highlights und Schlaglichter zu einzelnen Events finden Sie hier als Telegramme kompakt zusammengefasst.

Mehr Informationen und eine Übersicht der Referent*innen erhalten Sie auf den verlinkten Detailseiten der einzelnen Events. Für das Herunterladen von Vorträgen und Mitschnitte loggen Sie sich mit Ihrem ENERGIETAGE-Community-Account ein. Alle Events mit einem Wolken-Symbol halten Material für Sie bereit.

Montag 2. Mai | digital

„Wärmstes Jahrzehnt seit 20.000 Jahren“: ENERGIETAGE mit Appell für entschiedenen Klimaschutz eröffnet

Die ENERGIETAGE 2022 sind gestartet: Jürgen Pöschk, Initiator und Hauptveranstalter der ENERGIETAGE, appellierte in seiner Eröffnungsrede für einen ehrlichen und verantwortungsvollen Diskurs in Zusammenhang mit der aktuellen Energiekrise. „Wir sollten uns nicht von alten ideologischen Leitplanken eingrenzen lassen. Gesinnungsethische Ansätze, die darauf abzielen, seinen ethischen und ideologischen Grundsätzen treu zu bleiben, sind in der aktuellen Krise unbrauchbar“, so Pöschk.

Pöschk mahnte außerdem an, dass bei der Bewältigung der Energiekrise die Klimakrise nicht in den Hintergrund rücken dürfe. Die Politik stehe an einer entscheidenden Weggabelung, bei der es aktuell um die Frage gehe,ob sich die politische Steuerung auf die Energiekrise und deren Bewältigung beschränkt ober ob sie versucht, diese Situation als Booster für den Klimaschutz und für die Erreichung der Klimaneutralität zu nutzen. „Denn eines dürfte klar sein: die Entscheidung, ob und wann Klimaneutralität erreichbar sein wird, fällt jetzt.“, so Pöschk weiter.

Die Dringlichkeit dieser Entscheidung unterstrich auch der Klimawissenschaftler Prof. Stefan Rahmstorf vom PIK Potsdam Institut für Klimafolgenforschung e.V. in seinem anschließenden Überblick über den aktuellen Stand der Klimawissenschaften. Derzeit sei die höchste CO2-Konzentration in der Atmosphäre seit 3 Mio. Jahren, wahrscheinlich sogar seit 15 Mio. Jahren zu beobachten. Außerdem sei das vergangene Jahrzehnt höchstwahrscheinlich das wärmste seit mindestens 20.000 Jahren, so Rahmstorf. Dabei unterstrich der Klimawissenschaftler aber auch: „Aus physikalischer Sicht lässt sich die 1,5 Grad-Grenze noch halten.“

Das Klima im Medium Spiel — Kommunikation, Narrative, Marketing & Game Design | 1. dt. Fachkonferenz

Können Spiele die Klimakrise verhindern? Im Rahmen der ENERGIETAGE setzt sich die Konferenz #SpielKlima mit dieser überspitzten Frage über ein großes, erfolgsversprechendes Feld der Klimakommunikation aktuell auseinander. Unter Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz geht es vier Tage lang darum, das Medium Spiel – ob analog oder digital – als ein Instrument zu fassen, um politische Kommunikation, Bildung und Kampagnen im Klima- und Energiewendebereich viel wirkungsvoller zu gestalten. In insgesamt 16 Fachveranstaltungen, Workshops, Diskussions-Podien und Networking-Events bringen die Energietage erstmalig in diesem Umfang die Klima- und Energiewende-Kommunikation mit den Spielebranchen zusammen. Game-Staatssekretär Michael KELLNER hat die Konferenz bereits am Dienstagmorgen eröffnet, Einblicke und Ergebnisse der Konferenz stellen wir in der kommenden Woche im Energietage-Telegramm ausführlicher vor.

Dienstag 3. Mai | digital

"Berlin muss Chancenstadt werden.“ – Das Forum Urbane Infrastrukturen 2022 des Verlags Der Tagesspiegel

Wie wird Berlin CO2-neutral? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Forum Urbane Infrastrukturen 2022 des Verlags Der Tagesspiegel. Die digitale Veranstaltung fand am 03. Mai im Rahmen der Berliner Energietage statt und bot den Teilnehmenden neben drei Best Practice Cases der Energiewende eine Keynote von Stephan Schwarz, Senator für Wirtschaft, Energie und Betriebe des Landes Berlin, und eine Paneldiskussion unter Beteiligung von Daniel-Jan Girl, Präsident der IHK Berlin, Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der dena, Snezana Michaelis, Mitglied des Vorstandes der Gewobag, und Dr. Tanja Wielgoß, Vorstandsvorsitzende der Vattenfall Wärme Berlin AG.

Die Veranstaltung wurde moderiert von Kevin P. Hoffmann, Verantwortlicher Redakteur für die Berliner Wirtschaft beim Tagesspiegel. Thematisch wurde ein weiter Bogen gespannt, von Energieeinsparpotenzialen, über die Bedeutung von Innovationen bis hin zur Zukunft des Stadtwärmenetzes. Senator Schwarz betonte: „Der Ausbau der erneuerbaren Energien heißt mehr Sicherheit und auch mehr Unabhängigkeit.“ Auch die Auswirkungen des Angriffs auf die Ukraine wurden diskutiert. Auf die Frage, was passieren würde, wenn Russland den Gashahn zudreht, antwortete Dr. Tanja Wielgoß: „Wenn Deutschland vom Gas abgeschaltet wird, dann schaltet der Notfallplan. Wir fühlen uns gerüstet dieses Netz aufrecht zu erhalten.“ Snezana Michaelis forderte die Echtzeitverfügbarkeit von Daten des Energieverhaltens von Bewohner:innen und Daniel-Jan Girl mehr Mut und Zusammenarbeit bei der Energietransformation: "Berlin muss Chancenstadt werden.“ Das Forum Urbane Infrastrukturen 2022 wurde unterstützt von der Vattenfall Wärme Berlin AG.

Notwendigkeit sozialverträglicher Regulierungen der steigenden Energiepreise

Aus der Perspektive des Jahres 2030 ist das jetzige Jahrzehnt geprägt von Krisen: Der Krieg in der Ukraine führt zu Verwerfungen auf dem Energiemarkt, durch die Corona-Pandemie kommt es zur Inflation und die Klimakrise zieht steigende Energiepreise nach sich. „Die Heizkosten stiegen bereits bis März 2022 um 94 Prozent“, sagte Alexander Steinfeldt von co2online.

„Der CO2-Preis verteuert fossile Energieträger“, berichtete Peter Mellwig vom Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu). „Die hohen Energiekosten belasten ärmere Haushalte trotz der Entlastungspakete sogar deutlich stärker.“ Um einen Ausgleich zu schaffen, plädierte er für langfristige und zielkompatible Instrumente.

Wibke Werner vom Berliner Mieterverein hält eine Aufstockung der Fördermittel für Bestandsgebäude für einen wichtigen Baustein. Es sei nötig, „gezieltere Hilfen auszuzahlen statt Fördergelder im Gießkannenprinzip zu verteilen.“

„Im Jahr 2030 werden wir Energie ganz anders wahrnehmen als heutzutage“, fasste Mechthild Zumbusch von der Berliner Energieagentur zusammen. Besonders für Verbraucher*innen sei es essenziell, einen regelmäßigen Überblick über die Energiekosten zu bekommen. 

Dr. Katja Schumacher vom Ökoinstitut warf abschließend einen Blick auf die Maßnahmen anderer Staaten, Anreize für Klimaneutralität zu schaffen. Zugleich betonte sie den Faktor Teilhabe: „Alle müssen zum Klimaschutz beitragen.“

Den ganzen Lebenszyklus von Gebäuden in den Blick nehmen – eine Schlüsselfrage für den Klimaschutz

Berücksichtigt man über die Nutzungsphase hinaus den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden - also die Emissionen für die Errichtung, den Erhalt und den Rückbau - tragen diese etwa 8% zu den deutschen THG-Emissionen bei. Es ist daher dringend notwendig, dass eine lebenszyklusorientierte Bewertung von Gebäuden in Förderung und Ordnungsrecht integriert wird. In der digitalen Veranstaltung der Deutschen Umwelthilfe e.V. wurde das Thema zunächst in drei kurzen Impulsen aus Sicht der Wissenschaft (Prof. Dr. habil. Thomas Lützkendorf, Karlsruher Institut für Technologie), Praxis (Elise Pischetsrieder, weberbrunner berlin Gesellschaft von Architekten mbH) und Industrie (Jan Peter Hinrichs, BUVEG) beleuchtet. Anschließend wurde mit MdBs Kassem Taher Saleh (Bündnis 90/ Die Grünen), Timon Gremmels (SPD), Caren Lay (Die Linke) sowie mit 200 Teilnehmenden diskutiert, wie einen klimaneutralen Gebäudebestand bis 2045 unter Berücksichtigung des gesamten Lebenszyklus von Gebäuden erreichen werden kann und welche Instrumente für eine nachhaltige Bauwende notwendig sind. Einig war sich ein Großteil der Teilnehmer*innen darüber, dass im Rahmen der anstehenden Neuausrichtung der Förderprogramme und der Revision des Gebäudeenergiegesetzes Anforderungen auf die Umweltwirkungen von Gebäuden über den gesamten Lebenszyklus gestellt werden müssen.  

Kalte Nahwärme 5.0 - Schlüssel der Energiewende?

Es hat uns sehr gefreut, über 300 Teilnehmern unseres Webinars die „Oberflächennahste Geothermie und die Kalte Nahwärme 5.0“ nahe zu bringen.  Die rege Chatbeteiligung während unserer Vorträge und der anschließenden Podiumsdiskussion hat uns darin bestärkt, dass Kalte Nahwärme 5.0 nicht nur von uns als ein wichtiger Schlüssel der Energiewende wahrgenommen wird.

Wesentliche Themen wie das geothermische Potenzial als saisonaler solarer Wärmespeicher, die heutige Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit der Kollektorsysteme oder genehmigungsrechtliche Stolpersteine, aber auch Notwendigkeit und Potential der Sektorkopplung von Speicherquellen/Erdwärme mit Speichersenken/Bauteilaktivierung, intelligenter Nutzung erneuerbarer Energien und gesamtheitlicher Regelung inklusive Digitalisierung wurden adressiert. In den letzten Jahrzehnten hat sich die oberflächennahste Geothermie schon vielfältig bewährt. Die Netzwerkpartner gehen nun die nächste große Herausforderung der Integration in den Bestand an.

Erneuerbare KWK – ein Schwergewicht im zukünftigen Energiesystem

Am 3. Mai 2022 verfolgten etwa 100 Leute bei den ENERGIETAGEN das Programm des B.KWK Vom grauen Dauerläufer zum grünen Sprinter. „Die KWK ist für 2050 mindestens bereit“, konstatierte B.KWK-Präsident C.-H. Stahl eröffnend, bevor F. Grewe (2G Energy AG) und M. Huber (SYNCRAFT GmbH) das BHKW des Jahres 2021 vorstellten. Das Holzgas-BHKW produziert zusätzlich Pflanzenkohle und ist damit ein System, das „über das Klimaneutrale hinaus zum Klimapositiven geht“. Dr. Payrhuber (INNIO Jenbacher) hatte moderne H2-BHKWs zum Thema. Klar wurde, KWK-Anlagen sind H2-ready, die Verfügbarkeit von H2 in den Netzen der limitierende Faktor. Wegen der Effizienz und der Flexibilität sollte die „mit EE betriebene KWK zur Deckung der Residuallast immer Vorrang haben“, endete er.

Eine Möglichkeit, wie Quartiere ihre CO2-Bilanz verbessern können, illustrierte C. Zeis (EDG GmbH) am "Energieeffizienzcluster Schulzentrum Nieder-Olm". Die Kombination aus Biomethan, hocheffizienter KWK und Energiespeicher ist Best-Practice in der Quartiersversorgung. Herr Zeis schloss mit der Forderung, dass Biomethan im KWKG bleiben müsse, um die Residuallast bestmöglich zu decken und fossile Energie zu verdrängen. Geschäftsführer der Hamburger Energiewerke M. Prinz erläuterte, wie die Wärmewende unter anderem durch Nutzung industrieller Abwärme gelingen kann. Das Projekt wird 20.000 Haushalte mit klimaneutraler Wärme versorgen. „Wie B.KWK-Präsident Stahl so schön sagte, die KWK ist der grüne Sprinter und wir werden sie nutzen, um die Industrie-Abwärme zu veredeln“.

Wiedersehen, Kennenlernen, Networking am Ende eines Kongresstages: Speeddating zum Feierabend – Berlin Community Edition

Die Kampagne „Berlin spart Energie“ der Berliner Senatsumweltverwaltung hat zum digitalen Kennenlernen eingeladen. Das bewährte Speeddating-Format ermöglicht es, verschiedene Menschen und ihre Energiewende- und Klimaschutzprojekte zufällig kennenzulernen und neue spannende Bekanntschaften zu knüpfen.

In drei Runden konnten die Teilnehmer*innen so in einer halben Stunde 9 Personen in den Breakout-Räumen kennenlernen. Die Teilnehmer*innen tauschten sich bspw. zu den Fragen aus „Welches Projekt würden Sie beruflich gerne einmal umsetzen, wenn Sie 1.000.000 Euro Budget bekämen?“ oder „Welcher Ort steht für Sie sinnbildlich für Energiewende und / oder Klimaschutz und warum?“.

In den kurzen Pausen trafen sich die Teilnehmer*innen wieder gemeinsam in der großen Runde und wurden von der Kampagnenleiterin Lisa Bührmann über „Berlin spart Energie“ und die aktuellen Kampagnenaktivitäten informiert.

Dass das „Berlin spart Energie“-Speeddating wieder einmal für einen spannenden Austausch gesorgt hat, belegt das anschließende Feedback: Alle Teilnehmer*innen waren bereit, Ihre Kontaktdaten für einen vertieften Austausch zur Verfügung zu stellen.

„Berlin spart Energie“ führt weitere Speeddating-Formate durch. Eine Übersicht findet sich im Dialogforum „Berlin spart Energie“.

Entspannt und fokussiert in den Kongresstag starten: Yoga-Warm-up mit Karoline Müller

Mehr als 220 Stunden Programm umfassen die ENERGIETAGE 2022. Um da nicht den Fokus zu verlieren und entspannt in den vollen Kongresstag zu starten, trafen sich die ENERGIETAGE-Teilnehmer*innen zur 30-minütugen Yoga-Session.

Yoga-Lehrerin Karoline Müller gestaltete die Session mit Elementen der Körperwahrnehmung (Vipassana), Atmung (Pranayama), Körperhaltungen (Asana) und leichten Bewegungen. Auf die kraft- und ruhespendenden Übungen können die Teilnehmer*innen zwischen den zahlreichen Events der ENERGIETAGE zurückkommen, um so den Fokus und die Konzentration über den gesamten Tag aufrechtzuerhalten.

Am Freitag (06.05.) können sich die Teilnehmer*innen auf das nächste Yoga-Warm-up freuen. Los geht’s um 08:30 Uhr.

Mittwoch 4. Mai | Vor-Ort und im Stream

„Die Welt mit günstigen fossilen Energiepreisen ist vorbei!“ – Patrick Graichen auf den ENERGIETAGEN

Der Präsenzteil der ENERGIETAGE 2022 startete hochkarätig mit einem Impulsvortrag des Staatssekretärs im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) Dr. Patrick Graichen. Im Zentrum seiner Rede stand die Energiepreiskrise, die derzeit mit Nachdruck die vier Säulen der Energiewende – Erneuerbare Energien, Elektrifizierung, Energieeffizienz und grüner Wasserstoff – vorantreibe. Eine komplette Unabhängigkeit von russischen Energieimporten sei in den nächsten 12 bis 24 Monaten jedoch nicht realisierbar, so Graichen.

Das Bundeswirtschaftsministerium arbeitet intensiv an einer stärkeren Diversifizierung der Energieimporte. In diesem Zusammenhang wies Graichen darauf hin, dass die Welt mit günstigen fossilen Energiepreisen vorbei sei und neue Antworten gefunden werden müssten – kurzfristig Entastungspakete, langfristig Investitionen in die klimaneutralen Technologien.

In diesem Zusammenhang bereitet das das Bundesklimaministerium eine groß angelegte Energiesparkampagne vor.

Abschließend betonte Graichen, dass alle Antworten auf die Energiekrise gleichzeitig die Strategien zur Bekämpfung der Klimakrise seien. Das im Koalitionsvertrag beschlossene 1,5°-Grad-Ziel bleibe weiter das Leitmotiv – unabhängig von geopolitischen Krisen.  

Auch Jürgen Pöschk, Initiator und Hauptveranstalter der ENERGIETAGE, thematisierte in seinem Statement den Energiepreisschock und drohende Versorgungseinschränkungen. Die derzeitige Fokussierung auf Kriseninterventionen müsse kommunikativ und sozialpsychologisch begleitet werden, um sozialen Folgen der Energiekrise wie Entsolidarisierungstendenzen und politische Radikalisierungen proaktiv entgegenzuwirken. Es brauche daher eine deutlich stärkere soziale Mobilisierung – z.B. über Energiesparkampagnen, Narrative, Partizipationselemente oder die Integration junger Menschen.

Strukturwechsel durch unbürokratische Umsetzung von Klimaschutz-Maßnahmen

Am 4. Mai wurden die Berliner Energietage mit einer Debatte um das Klimaschutz-Sofortprogramm der Bundesregierung eingeleitet. Knapp 250 Zuschauer*innen verfolgten die Veranstaltung live vor Ort, rund 500 Personen waren digital zugeschaltet.

In seinem Eröffnungsimpuls betonte Martin Weiß vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) die Wichtigkeit eines Strukturwechsels hin zu Erneuerbaren Energien. Dabei setzte er einen Fokus auf den Gebäudesektor und grünen Strom als Grundlage für eine nachhaltige Wirtschaft. 

„Energieeffizienz ist mehr als Klimaschutz“, unterstrich Friedrich Seefeldt vom Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos. Sie biete Versorgungssicherheit, Schutz vor Preissteigerungen und sei ein Instrument des Risikomanagements.

Einen Überblick über die Implikationen für Unternehmen lieferte Christian Noll von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF). Er bekräftigte, dass der Klimaschutz systematisch und unbürokratisch vorangebracht werden müsse und verlässliche Rahmenbedingungen für die Wirtschaft unabdingbar seien.

Tanja Loitz von co2online nahm die Perspektive der Verbraucher*innen ein und gab einen positiven Ausblick: „Noch nie waren die Förderbedingungen für energetische Sanierungen besser.“ Gleichzeitig hob sie die Potenziale im Bereich Energiesparen hervor, die durch das breite gesellschaftliche Interesse verstärkt werden.

Mineralölbranche im Wandel Richtung netto null CO2

„Wirtschaftsstandort Deutschland – Auf dem Weg zu netto null CO2-Emissionen. Welche Beiträge leistet die Mineralölbranche?“ So lautete der Titel der Veranstaltung des en2x – Wirtschaftsverband Fuels und Energie am 4. Mai. Mehr als 100 Teilnehmer waren im Saal anwesend oder online zugeschaltet. In seiner Keynote wies en2x-Hauptgeschäftsführer Adrian Willig auf den Spagat der Branche zwischen aktueller Bewältigung der Ukrainekrise und dem von der Branche unterstützten Ziel der Klimaneutralität hin.

Thomas Behrends von der TotalEnergies Raffinerie Mitteldeutschland und Detlev Wösten vom Spezialraffinerieunternehmen H&R erläuterten die technologischen Fortschritte anhand praktischer Beispiele in Leuna und Hamburg. Es folgte eine Diskussionsrunde mit Volker Ebeling vom Hamburger Energieunternehmen Mabanaft, Melanie Form von der aireg – Aviation Initiative for Renewable Energy in Germany, Johannes Daum von der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie sowie dem SPD-Bundestagsabgeordneten Bernd Westphal. Dabei wurde deutlich: Die bisherige Mineralölbranche kann Schlüsselbeiträge zum Erreichen der Klimaziele leisten.

Dabei setzen die Unternehmen auf unterschiedliche Lösungen, zu denen erneuerbarer Strom, CO2-neutraler Wasserstoff und alternative Kraftstoffe zählen. Für den Hochlauf der neuen Produkte sind allerdings investitionsfreundliche Rahmenbedingungen, schnellere Genehmigungsverfahren und bezahlbare Strompreise nötig.

Next & New. | Update Klima-Kommunikation

Um die Energiewende in einem schnelleren Tempo als bisher voranzubringen, braucht es mehr als technische Innovationen, gesetzliche Bestimmungen und finanzielle Mittel. Weitere Hebel liegen darin, die Bürger*innen mit innovativen Kommunikationswegen für ein energiebewusstes Leben zu aktivieren und ihre Motivation zur Partizipation an dieser Menschheitsaufgabe zu steigern.

Die von Professor Dr. Ingo Uhlig (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) durchgeführte und von drei jungen Expert*innen aus Wissenschaft, Design und Literatur unterstützte Veranstaltung folge eben diesem Ansatz. In einer äußerst lebendigen Diskussion zwischen Podium und Teilnehmer*innen wurden neue Wege, Strategien und Narrative für eine moderne Klimakommunikation ausgetauscht.

Neben dem Autor, Poetry Slamer und Klimaaktivist Samuel J. Kramer und der am Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität e.V. im Bereich Nachhaltigkeit und Innovationen forschenden Wissenschaftlerin Anika Nicolaas Ponder berichtete auch der Kreativdirektor der auf Wissensgenerierung und -vermittlung spezialisierte Berliner Kreativ- und Strategieagentur Ellery Studio über seine aktuellen und künftigen Projekte.

Gleichermaßen großen Raum nahmen auch die vom Publikum eingebrachten Gedanken und Fragen ein. Werden der Bevölkerung bereits ausreichend Informationen vermittelt, um ihr das Verständnis für die Tragweite des Klimaproblems bewusst zu machen? Wie kann das Wissen aus der überzeugten Blase in Gesellschaftsschichten transportiert werden, die dem Thema Klimaschutz entweder noch nicht offen oder gar ablehnend gegenüberstehen?

In einer sehr kurzweiligen Veranstaltung passierte im Kleinen das, was im Gesamtgesellschaftlichen angestrebt wird: ein engagierter interdisziplinärer Austausch, in dem unterschiedliche Perspektiven zu Wort kommen und aus dem neue Erkenntnisse erwachsen können.

Donnerstag 5. Mai | Vor-Ort und im Stream

Netzwerktreffen Effizienzhaus Plus: Zukunft zeigen!

Zum Start des 21. Netzwerktreffen Effizienzhaus Plus begrüßte Bundesbauministerin Klara Geywitz die anwesenden Teilnehmer*innen und die an den Heimempfängern zugeschalten mit einem Grußwort. Das Sorgenkind Gebäudebereich könne perspektivisch zu einem Vorreiter werden und auf dem Weg zu einem klimaneutralen Deutschland eine positive Bilanz einbringen.

In einer inhaltlich sehr reichen Veranstaltung beleuchten zahlreiche Referent*innen aus Forschung und Praxis die unterschiedlichen Aspekte ihrer Arbeit. In ihrem Einstiegsbeitrag stellte Heike Erhorn-Kluttig vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP die neu umgesetzte Zertifizierung des Effizienzhaus Plus am Beispiel des Gebäudes in der Fasanenstraße vor.

Ein nächster Block fokussierte auf Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff in Effizienzhaus Plus. In diesem Zusammenhang informierte Prof. Dr. Clemens Felsmann von der TU Dresden über Chancen und Herausforderungen bei Nutzung von Überschussenergie aus Plusenergiehäusern zur Gewinnung von Wasserstoff. Praxisbeispiele stellte Dr.-Ing. Ulrich Bünger vor. In einer Zuschaltung aus den Niederlanden beleuchtete Richard van As-Jacobsen die Entwicklung von Plusenergiehäusern in Holland.

Susanne Kramm von der Berliner Energieagentur betonte die Bedeutung der Klimaschutzbildung bereits in Kita und Grundschule und Thomas Quast vom com.X Institut erläuterte den Stand der Begleitforschung in EFH-Plus-Bildungsbauten. Prof. Dipl. Ing. Architekt Martin Kusic stellte die Arbeiten von Studierenden der hochschule 21 in Buxtehude für den Wettbewerb „10 Jahre EFH+“ vor.

Im letzten Input-Block ordnete Ministerialrat im BMWSB, Peter Rathert die Perspektiven der Pulsenergiegebäuden im Neubau und Bestand ein. Zur Erreichung der Klimaneutralität 2045 sei es unabdinglich, dass Gebäude zu CO2-Senken werden. Prof. Ingo Lütkemeyer von der Hochschule Bremen stellte Praxisbeispiele erfolgreich umgesetzter Plusenergie-Konzept in öffentlichen Gebäuden vor. Abschließend lenkte Manfred Rauschen vom Öko-Zentrum NRW GmbH den Blick nach Japan, wo bereits rund 400.000 Brennstoffzellen abgesetzt wurden.

Im Gespräch mit dem Moderator des Netzwerktreffens, Hans Erhorn (Fraunhofer-Institut IBP) fasste Petra Alten (BMWSB) die zentralen Punkte des Netzwerktreffens zusammen: Mehr Öffentlichkeitsarbeit, weitere Modellvorhaben, einen Blick über das Einzelgebäude hinaus in Richtung Quartiere sowie einen Fokus auf die Lösung des Fachkräftemangels als Voraussetzung eines notwendigen Umbaus im Gebäudebereichs.

Sozialverträgliche Energiewende in Gebäuden

In der Veranstaltung des „Bundesbauministeriums wurde debattiert, wie Klimaneutralität in Gebäuden aus Sicht von Mieter:innen, Klimaschützer:innen und Wohnungswirtschaft sozialverträglich gestaltet werden kann. Die Spitzenvertreter:innen waren Bundesdirektor Lukas Siebenkotten vom Deutschen Mieterbund, Hauptgeschäftsführerin Ingeborg Esser vom Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen und Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe. Als Vertreter der staatlichen Perspektive stellte sich der Staatssekretär des neu gegründeten Bauministeriums, Dr. Rolf Bösinger, der Diskussion.

Eine zentrale Voraussetzung für das Gelingen einer sozialverträglichen Energiewende in Gebäuden war für alle Teilnerhmer:innen die staatliche Förderung. Diese müsse gezielter und in größerem Umfang erfolgen. Insbesondere die aktuelle Krisenlage habe eine Nachsteuerung notwendig gemacht. Herr Bösinger hielt dem entgegen, dass bereits an neuen, umfangreicheren Programmen gearbeitet wird und diese bis zum 01.01.2023 auch beschlossen werden sollen, um Planungssicherheit zu gewährleisten. Bis 2026 würden beispielsweise 8,5 Mrd. € mehr für sozialen Wohnungsbau zur Verfügung stehen.

Einigkeit bestand bei allen Diskussionsteilnehmer:innen darüber, dass der Knackpunkt der Energiewende im Gebäudebereich in der Bestandssanierung liegt. Auch wenn sowohl Siebenkotten als auch Bösinger noch einmal darauf hinwiesen, dass eine Schaffung beziehungsweise ein Erhalt sozialverträglicher Mieten einen klimafreundlichen Neubau erfordert. Barbara Metz merkte an, dass Klimaschutz bezahlbarem Wohnraum nicht im Wege steht, sondern vielmehr eine Voraussetzung für den selbigen sei. Dafür sei allerdings eine gezielte und konkrete Unterstützung, insbesondere auf kommunaler Ebene notwendig.

Am Ende betonten alle Diskutant:innen die Notwendigkeit einer produktiven Kooperation. Dafür sei man sogar bereit, „alte Barrikaden abzubauen“ (Siebenkotten). Mit dem „Real-Lab“ (Esser) der Wohnungswirtschaft und der „politischen Unterstützung“ (Metz) der Deutschen Umwelthilfe scheinen die Akteure mit guten Grundvoraussetzungen an die bevorstehenden Aufgaben zu gehen.

Workshop „ISO 50005:2021 - Optionen einer Nachweiserbringung“

Im Rahmen der Berliner Energietage hat der Workshop „ISO 50005:2021 - Optionen einer Nachweiserbringung“ als Bestandteil eines Forschungsvorhabens im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) und Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) stattgefunden.

Nach der Begrüßung durch Dr. Roland Kube vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz folgten eine Übersicht über die Inhalte der ISO 50005 sowie die Möglichkeiten einer gesetzlichen Verankerung. Anschließend hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit in drei moderierten Gruppen die Möglichkeiten der Nachweiserbringung und verbundene Themen zu diskutieren. Folgende Themen wurden vertiefend bearbeitet:

  • Vom Leitfaden zur Zertifizierung – Wie kann eine angemessene Nachweiserbringung der ISO 50005 erfolgen?
  • Parallelen im Vollzug – Welche Instanzen bieten sich zur Prüfung der Umsetzung der ISO 50005 an?
  • Kapazitäten und Dopplungen – Kann die Nachweiserbringung und deren Überprüfung verschiedener gesetzlicher Anforderungen vereinheitlicht werden?

Die Teilnehmenden erarbeiteten gemeinsam lösungsorientierte Vorschläge zur Umsetzung der Nachweiserbringung. Des Weiteren wurden mögliche Umsetzungsprozesse des Nachweisverfahrens diskutiert.

Die interessanten Perspektiven aus diesen Diskussionen werden im Folgenden den politischen Entscheidungsträgen zur Verfügung gestellt.

Im Zwielicht von Energiekrise und Energiewende

Ein disruptiver Ansatz ließ die mehr als 200 digitalen und persönlichen Gäste der am 5. Mai von ASUE und DVGW veranstalteten Session auf den 2022er Energietagen aufhorchen. Unter dem Titel „Erfolgreich nur im Team: Grüne Gase und Grüner Strom“ begann diese mit einer KeyNote von Prof. Kai A. Konrad (Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen). Seine überraschende These, Erdöl und Erdgas weiter zu fördern, dabei aber dauerhaft stofflich zu nutzen, um keine CO2-Emissionen zu erzeugen und dabei die Kosten für die fossilen Rohstoffe bis ins Unwirtschaftliche steigen zu lassen, stieß auf ein geteiltes Echo. Einerseits wurde den energiewirtschaftlich aktiven Teilnehmern ein für das Klima überaus gefährlicher „Rush-to-burn“ von verbilligten Energieträgern vor Auge geführt, anderseits fühlten sich Vertreter der erneuerbaren Energien von der klassischen Öl- und Gasindustrie vorgeführt.

Die Diskutanten waren sich anschließend unter der Moderation von energate-Redakteur Heiko Lohmann aber darin einig, dass insbesondere mit grünem Strom betriebene pyrolytische Verfahren ein großes Potenzial zur zukünftigen, klimaneutralen Energie- und Rohstoffversorgung besäßen. Dass der Bedarf an entsprechenden Produkten vorhanden sei, bestätigte Markus Staudt (BDH) mit seiner Antwort auf die Frage, ob Wasserstoff denn auch im Wärmemarkt zu finden sein werde: „Aber sicher!“. Dr. Volker Bartsch (DVGW) ergänzte final mit Blick auf die Ukraine: „Deutschland kann 300 TWh grüne Gase bereitstellen – mit überschaubaren Mitteln!“.

 

„Young Masters der Energiewende“ – Ein Gespräch mit der künftigen Berufspraxis

„Young-Master treffen – nicht nur – alte weiße Männer“: So wurde die Veranstaltung im Voraus beschrieben. Dabei hätte man das „nicht nur“ durchaus unterstreichen können. Die acht Unternehmen, die sich auf der Veranstaltung einigen Student:innen vorstellen konnten, boten nicht nur einen sehr vielfältigen Einblick in die verschiedenen Berufsfelder, die in der Energiewende eine Rolle spielen, sondern bestückten das Podium auch in Punkto Alter und Geschlecht durchaus divers.

Die einzigen „alten weißen Männer“ auf dem Podium waren der Moderator Herr Holthuizen und Herr Jurchen von der degewo. Neben Letzterem warb auch Frau Dr. Vogler vom GdW für ein Engagement in der klassischen Wohnungswirtschaft, auch wenn aus beiden Arbeitgeberpitches deutlich wurde, dass diese auch bei großen, etablierten Playern gar nicht mehr so klassisch ist. Auch hier entwickeln sich stetig neue Arbeitsfelder im Zuge der Energiewende.

Anschließend eroberten die „Young-Masters“ in gewisser Weise selbst die Bühne: mit GreenFusion, 1KOMMA5° und eZeit Ingenieure stellten sich drei frisch gegründete StartUps vor. Auch Unternehmen wie inno2grid oder Frachtwerk versuchten mit jungen Altersstrukturen zu überzeugen. Ebenso vertreten war der Hauptveranstalter der ENERGIETAGE 2022, die EUMB Pöschk, in Form von Frau Bührmann, die für den Bereich der Klimakommunikation warb. Im Anschluss gab es dann die Möglichkeit für Student:innen und Arbeitgeber:innen ganz konkret in‘s Gespräch gekommen. Dies wurde auch von einigen Teilnehmer:innen bei einem Kaltgetränk im Foyer in Anspruch genommen.

Die Veranstaltung schaffte es, einen breit gefächerten Überblick über die Arbeitsfelder der Energiewende zu geben und die Diversität der Akteure adäquat abzubilden. Ob im Bereich Sanierung und Bau, Versorgung, Kommunikation, Beratung und Planung oder Softwareengineering – Die Young-Masters der Energiewende

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